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8.02.11
Sandabbau statt Wahlers Venn in Stevede

Das rot umrandete Gebiet plant ein Unternehmen als Abbaugebiet.

Sandabbau im Wahlers Venn? Das könnte Realität werden, und zwar im großen Stil. Ein Unternehmen aus Röderland in Brandenburg plant auf 160 Hektar - das ist mehr als dreimal so groß wie die vorgesehene Industrie- und Gewerbefläche auf dem Kasernengelände in Flamschen - abzubauen. Offenbar steckt unter dem ehemaligen Moorboden des Wahlers Venns, das zwischen der Steveder Kirche und der L 600/B67n liegt, Sand von großer Bedeutung: in Bohrungen stieß das Unternehmen auf kreidezeitlichen Quarzsand von hoher Reinheit, der als Glas- oder Gießereisand geeignet ist. Dazu ein mächtiges Vorkommen: 33,5 Millionen Tonnen, so dass bei einer Jahresproduktion von 500.000 Tonnen 67 Jahre in Stevede abgebaut werden könnte.

Abgeklopft werden gerade von der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg Daten zu der Fläche von Behörden und Verbänden. "Wir haben bislang eine so genannte planerische Mitteilung vorliegen", erklärt Julia Beuerlein, Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg. Diese sei der erste Schritt, um ein bergrechtliches Planfeststellungsverfahren einzuleiten. "Wir haben 16 Behörden, Institution und Verbände angeschrieben und um Informationen zu dem Gebiet hinsichtlich weiterer Schritte für eine Umweltverträglichkeitsprüfung gebeten." Darunter auch die Stadt und der Kreis Coesfeld sowie Naturschutzverbände und Landwirtschaftskammer. Bis Mitte März sollen die Stellungnahmen vorliegen.

Involviert in die Planung ist außerdem die Bezirksregierung Münster, über die das regionalplanerische Verfahren läuft. Das Unternehmen wollte auf Nachfrage gestern keine Auskunft geben.

Das Wahlers Venn ist zwar kein Naturschutzgebiet, gilt aber als wertvolle Naturlandschaft, in der Tierarten leben, die auf der Roten Liste stehen. "Auf dem geplanten Abgrabungsgebiet befindet sich kreisweit eines der größten Kiebitz-Aufkommen", erläutert Hermann Grömping von der Umweltabteilung des Kreises Coesfeld. Das ehemalige Hochmoorgebiet zeichnet sich noch immer durch seine Weite und Offenheit aus, frei von Hecken, Sträuchern und Bäumen. Selbst der seltene Große Brachvogel fühlt sich dort wohl. Umgeben ist das Wahlers Venn zudem von Naturschutzgebieten, die teils von europäischem Rang sind. In der Nähe befinden sich die Heubachwiesen, das Kuhlenvenn, die Fürstenkuhle, der Letter Bruch.

Der Naturschutzbund (Nabu) Kreis Coesfeld sieht das Vorhaben äußerst kritisch. "Der Lebensraum für die Vögel, die diese Landschaft benötigen, würde zerstört", sagt Christian Prost.

Inwieweit diese und andere Gründe das Vorhaben allerdings aufhalten, ist zurzeit noch völlig offen.

Auch bei Anliegern stoßen die Pläne auf Kopfschütteln. "Wir sind hier richtig schockiert", sagt Wilhelm Korth. "Das soll ja eine ganz riesige Nummer werden." Aus seiner Sicht in keiner Weise zu begrüßen. "Davon hängen bei vielen Landwirten ganze Existenzen ab", sagt er. In der geplanten Abgrabungsfläche lägen schätzungsweise bis zu 20 Grundstücks-Eigentümer, teils Pächter. "Es gibt insgesamt nur wenig landwirtschaftliche Fläche hier, diese darf nicht auch noch zerstört werden", meint Korth. Mit weiteren Anliegern steht nun ein Treffen an, um die Meinungen zu dem Thema auszutauschen.

Quelle: Allgemeine Zeitung vom 9. Februar 2011, Artikel von Viola ter Horst

Von: Stephan Wolfert